Projektpräsentation 2016

Global unterwegs

Wann: 12. November 2015 von 14.30 bis 18 Uhr
Wo: Schilfhof 28, 14478 Potsdam

Was: Auch in Brandenburg gehen immer mehr Menschen im Rahmen von Süd-Nord-Schulpartnerschaften auf Reisen. Was lernen sie, wenn sie sich mit Partner_innen im Globalen Süden oder in ihrer Schule treffen?
2016 lernen sich Lehrkräfte und Schüler_innen aus Falkensee und aus Sansibar-Stadt kennen. Sie werden gemeinsam darüber berichten, was sie dabei gelernt haben, ob und wie sie eine Partnerschaft gemeinsam aufbauen wollen.

Global unterwegs sind Jugendliche im Rahmen eines internationalen Begegnungsprojektes seit fünf Jahren. Der gemeinsame Lernprozess zu den Jahresthemen der BREBIT begann 2011 in Potsdam, wurde 2012 in Tansania und 2014 in Bolivien fortgesetzt. In diesem Jahr findet die Begegnung auf den Philippinen ihren Abschluss.

In Puerto Princesa werden die Jugendlichen intensiv zum Thema (Arbeits-)Migration und Flucht arbeiten und Menschen interviewen, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven über ihre Erfahrungen als Arbeitsmigrant_innen oder Geflüchtete berichten werden. 8,5 Millionen Philippinos leben als Arbeitsmigrant_innen in 214 Ländern der Welt. Das sind 10 Prozent der Bevölkerung. Die Jugendlichen werden über Vor- und Nachteile, Chancen und Gefahren, Fluch und Segen von Arbeitsmigration für die Wirtschaft und Gesellschaft in Palawan berichten und diese mit den Erfahrungen aus ihren Ländern vergleichen.

Wer: Diese Veranstaltung findet in  Kooperation mit dem Vicco-von-Bühlow-Gymnasium, Falkensee, und der Hamamni Secondary School Zanzibar Town sowie der GSE e. V. und den Jugendlichen der  internationalen Begegnung statt.


Birgit Mitawi
Globales Lernen
RAA Brandenburg
Zum Jagenstein 1 | 14478 Potsdam

Telefon:  (0331) 74780-25 | Fax: (0331) 74780-20
www.raa-brandenburg.de | www.brebit.org

Bitte unterstützen Sie unsere Projekt in Tansania und unsere Jugendbegegnungen:
www.betterplace.org/de/projects/3989-schatze-schutzen

Aktuelle Projekte 2016

In Kontakt treten: Bülow-Gymnasium – Hamamni Sekundarschule

Seit 2012 unterstützt die RAA Brandenburg Kolleg_innen des Vicco-von-Bülow-Gymnasium Falkensee dabei, Unterrichtsprojekte zu globalen Themen in den Unterricht zu integrieren. Dazu wurden die Angebote der BREBIT genutzt und Gäste der RAA aus Sansibar an die Schule eingeladen.
Schüler_innen aus Uroa diskutieren mit Schüler_innen aus Falkensee über ihren Alltag und über Fragen von globaler Gerechtigkeit. Die Ausstellung „Hinter Sonne, Strand und Meer“ mit Fotos über Sansibar machte die Insel für alle an der Schule sichtbar. Interessant waren auch die Projekte mit der Meeresbiologin Flower Msuya, die thematisierte, wie (un)fair Lohn für Produzent_innen im Globalen Süden sein kann, die für unsere Produkte arbeiten, ohne, dass wir überhaupt wissen, dass diese aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. (Algen/ Seetang).
Im Auswertungsgespräch wurde deutlich, dass es Interesse an einer kontinuierlichen Zusammenarbeit gibt.
Auch in Sansibar (Tansania) gibt es eine Schule, die an einer Zusammenarbeit interessiert ist, die Hamamni Sekundarschule.

Wie kann aus Interesse an Schulen auf zwei Kontinenten eine Zusammenarbeit entstehen?

Schulen aus Deutschland, die eine Partnerschaft mit einer Schule aus einem Land in Afrika, Asien, Lateinamerika oder Südosteuropa aufbauen wollen, können bei ENSA (Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm) Unterstützung für eine Anbahnungsreise beantragen. Eine Anbahnungsreise besteht immer aus einer Reise der Partnerschule nach Deutschland und einer Reise der deutschen Schule ins Partnerland. Diese Reisen bereiten die Schulvertreter_innen vor und werden dabei beraten und unterstützt von der Promotorin für Globales Lernen der RAA Brandenburg Birgit Mitawi.

Im Juli und im November werden Schüler_innen und Lehrkräfte unterstützt von NRO_Vertreter_innen beider Länder sich treffen. Sie werden sich über ihre Vorstellungen von Zusammenarbeit und Partnerschaft austauschen. Wenn alles gut läuft, entstehen dabei erste gemeinsame Unterrichtsprojekte. Dann können dem ersten Schritt zu einer Süd-Nord-Schulpartnerschaft weitere folgen.

Über die Ergebnisse Ihres Kennenlernens informieren deutsche und tansanische Schulvertreter_innen im November in Potsdam. (Siehe Veranstaltungshinweis oben auf der Seite)


Global unterwegs in Deutschland – Tansania – Bolivien und Philippinen

Bilaterale Brandenburger Projekte gibt es zwischen Deutschen und Südpartner_innen seit mehr als 20 Jahren. Gemeinsam mit Partnervereinen wie GSE und Carpus e.V. versuchen wir seit 2011 gemeinsam, auch einen Austausch zwischen Menschen  aus Tansania, Bolivien und den Philippinen zu ermöglichen.  Nicht nur in Deutschland, sondern auch und insbesondere in den Partnerländern. Das ist eine ganz besondere Herausforderung. Das ist aber auch eine besondere Chance, miteinander und voneinander zu lernen. Dazu sind wir in einen gemeinsamen Lernprozess eingetreten, den die Kerngruppe nun im fünften Jahr gestaltet und wo es immer wieder Raum gibt, für neue Teilnehmende.

Wichtig ist uns die Verknüpfung von thematischer Arbeit und Begegnung.
2011 in Potsdam (Deutschland): Auseinandersetzung mit unserem Lebensraum Stadt
2012 in Sansibar (Tansania): Analyse unserer Welt zwischen Hunger und Überfluss
2014 in El Alto (Bolivien): Suche nach Antworten auf die Frage: Wie gerecht darf unsere Welt sein?
2016 in Puerto Princesa (Philippinen): Wie wir uns und unsere Bilder voneinander verändert haben

Wir möchten mit dieser Begegnung unser internationales Jugendbegegnungsprojekt formal abschließen. Wir wollen gemeinsam überlegen, welche Grenzen wir überwunden haben, wie wir Alltagsrassismus in unseren Ländern erkennen und entgegenwirken, wo wir  stereotype Bilder erkannt und durch differenzierte Meinungen ersetzt haben. Wir möchten wie Chimamanda Adichie (Schriftstellerin aus Nigeria) auf die Gefahren einer einzelnen Geschichte, die Gefahren einer einseitigen Sicht hinweisen und dieser viele Geschichten entgegen setzen, die wir in den sechs Jahren unseres Projektes gemeinsam oder in unserem Alltag gesammelt haben. Einen besonderen Focus richten wir auf Flucht und Migration in unseren Ländern. Wer verlässt seine Heimat warum und wohin? Wie gehen wir in unseren Ländern mit Flucht und Migration um? Wie nehmen wir diese in den anderen Ländern wahr?

Erfahrungen dieser Begegnung vermitteln Teilnehmende aus Deutschland und Tansania im November in Potsdam. (Siehe Veranstaltungshinweis oben auf der Seite)
 
  
Schätze schützenSeit Juni 2010 haben viele Freund/-innen der Projekte unsere Partner/-innen in Sansibar dabei unterstützt, ihre SCHÄTZE ZU SCHÜTZEN.In Bambi ist das Schulgebäude jetzt mit Fenstern und Toren ausgestattet, um Computer, Bibliothek und naturwissenschaftliche Labors zu schützen.In Chukwani verhindert eine Mauer, dass der Schulgarten von Nachbarn als Müllhalde benutzt wird oder deren Ziegen im Schulgarten fressen.SCHÄTZE SCHÜTZEN heißt auch Werterhaltung. So wurde die Mehrzweckhalle auf dem Schulgelände von Chukwani wieder voll nutzbar gemacht für größere Veranstaltungen, Prüfungen, Wettbewerbe und Ausstellungen.
Noch sind Bücher kein selbstverständlicher Teil des sansibarischen Alltags sondern Schätze besonderer Art.
Mit der Einrichtung der Bibliotheken an unseren Partnerschulen hat ein Prozesses begonnen, den wir mit diesem Projekt und ihrer Unterstützung begleiten möchten.
Die Aktualisierung und Erweiterung der Bibliotheken ist eine Daueraufgabe für unsere Partner_innen, denn jedes Jahr gibt es viele neue Erkenntnisse, neue Bücher und damit die Notwendigkeit, den Bücherbestand zu ergänzen.

Über den Stand des Projektes können Sie sich auf der Spendenplattformbetterplace informieren. Sie können dort für dieses Projekt Fürsprecher_in werden oder Unterstützer_in.

mehr Informationen

  

Fotoausstellung: "Hinter Sonne, Stand und Meer"

Drei Schüler/innen, sechs Studierende, eine Lehrerin und die RAA Projektleiterin recherchierten gemeinsam mit Lehrer/innen aus Sansibar, ob Menschen in Sansibar die Millenniumsziele kennen und ob sich in ihrem Alltag etwas verändert hat seit jenem September 2000.

Sie besuchten verschiedene Dörfer und lernten dort unterschiedliche Menschen kennen. Sie haben mit ihnen gesprochen, sie beobachtet, mit ihnen zusammen gearbeitet und für einige Tage ihren Alltag geteilt. Was sie während ihres Aufenthalts auf Sansibar erfahren haben, zeigen die Bilder der Fotoausstellung "Hinter Sonne, Strand und Meer".

Sie können diese Ausstellung ausleihen!

  

Begegnungen mit Sansibar

Begegnungen zwischen BrandenburgerInnen und Sansibaris gehören seit 24 Jahren zum Programm der RAA Brandenburg. Jugendliche und MultiplikatorInnen können eigene Erfahrungen in einem Projekt in Sansibar sammeln oder indirekt Menschen von der ostafrikanischen Insel kennen lernen, wenn sie unsere Informationsveranstaltungen besuchen, einen Schulprojekttag mit uns gestalten oder unsere Bildungsmaterialien nutzen.

Das Besondere an dem Begegnungsprogramm sind die lange Vorbereitungszeit und der hohe partizipative Anspruch der Projekte, der Brandenburger Jugendliche und sansibarische Projekteilnehmer/innen gleichermaßen mit einbezieht.

Viele der TeilnehmerInnen haben Vorurteile. Sie haben altruistische Ambitionen und klischeehafte Afrikabilder, wenn sie sich bewerben. In der Vorbereitungszeit werden diese Motivationen und Bilder thematisiert. Einmal monatlich finden Seminare statt, die den Horizont erweitern: tansanische Literatur, Geschichte und Politik, Rassismus.

Wir beschäftigen uns mit Entwicklungszusammenarbeit und berücksichtigen dabei besonders die Perspektive der TansanierInnen. Die TeilnehmerInnen besuchen in Berlin eine Moschee und setzen sich mit dem Islam auseinander, sie erarbeiten sich das Thema Tourismus und entwickeln eigene Verhaltensregeln für ihre Reise. In einem Sprachkurs lernen die TeilnehmerInnen Kiswahili. Sie nehmen im Vorfeld Kontakt zu den tansanischen PartnerInnen auf und sind aktiv in die Öffentlichkeitsarbeit eingebunden. Durch die vielfältigen Eindrücke und Informationen werden Vorurteile relativiert und die Vorstellung, dass wir den Sansibaris so viel geben könnten, kehrt sich um zu einem: Was wir wohl noch alles lernen können!

Viele engagieren sich nach ihrer Rückkehr im Verein Twende pamoja – Freundeskreis Tansania e.V.. Auch in Sansibar gibt es den Verein Twende pamoja. In ihm organisieren sich all unsere Partnergruppen: Dorfentwicklungskomitees, Schulkomitees und Frauenkooperativen.
Vieles ist seit 1992 entstanden: 67 Klassenräume in acht Dörfern, zwei Kindergärten, drei Mehrzweckgebäude für Frauenkooperativen, fünf Schulbibliotheken wurden mit Regalen und Büchern ausgestattet, eine Tischlerlehrwerkstatt und eine Krankenstation wurden errichtet und ein Fischerboot gebaut. Drei Theaterstücke wurden gemeinsam entwickelt und auch bei uns in Brandenburg ist einiges passiert. Jedes Jahr entstehen neue Bildungsmaterialien zu einem bestimmten Thema, die wir hier an Schulen und zu jeder sich bietenden Gelegenheit einsetzen. Themen sind: Gewürze, Baumwolle, Altkleider, Kaffee, Islam, Geschichte und natürlich die Insel selbst mit ihren BewohnerInnen. In einer Unterrichtsmappe haben wir 32 biografische Geschichten von Sansibaris zusammengefasst, um ein differenziertes Bild über Sansibar zu vermitteln. An einer kleinen Insel kann man die Vielfalt sehr schön deutlich machen und damit einen Beitrag leisten, den weit verbreiteten Klischees und Vorurteilen etwas entgegen zu setzen.

In unseren Projekten, wie auch in den entstehenden Bildungsmaterialien versuchen wir, unsere Partner in Sansibar zu Wort kommen zu lassen, denn ihre Perspektive ist für uns zentral. Das gleichberechtigte Miteinander in einem gemeinsamen und vertrauensvollen Prozess ist unsere bedeutsamste Maxime in der Partnerschaft. Auf der Grundlage einer solchen Basis können wir gute und spannende Projekte realisieren. Diese Basis hatten wir jedoch auch nicht von Anfang an. Partnerschaft ist nicht der Anfang, sondern Teil und Ergebnis eines gemeinsamen Prozesses.

Omar Abdalla, Dorfentwicklungskomitee Bambi:
"Am Anfang stehen Ängste, weil man sich nicht kennt. Nicht alle Deutschen und Sansibaris sind gleich. Wenn die zweite Gruppe kommt, hat man schon einiges mitbekommen und kann entsprechend reagieren. Man weiß etwas über die Gäste und das hilft bei der Vorbereitung. Durch die regelmäßigen Besuche gehen auch die Ängste verloren. Am Anfang, wussten wir nicht recht, worüber man reden soll. Inzwischen ist klar: Wir sprechen über alles. Die Vorbildwirkung von uns Mitgliedern des Komitees, die sehr offen mit den Gästen umgehen, hilft den Dorfbewohnern, dieses auch zu tun und durch Beobachtung zu lernen, dass der Umgang ganz normal ablaufen kann."

Faki Ali, Dorfentwicklungskomitee Bambi:
"Über Gleichberechtigung zu sprechen heißt, dass niemand über dem anderen steht, wir arbeiten einfach zusammen. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir sahen, wie unsere deutschen Freunde mit uns zusammen arbeiteten. Wir dachten, sie kommen hier her und schauen zu, wie wir arbeiten. Als wir den Kindergarten gebaut haben, konnten wir nicht glauben, dass einige Deutsche so hart arbeiten können. Sie haben große Steine raus geholt und transportiert. Wir haben zusammen gearbeitet, mit gleichen Rechten, ‚everybody was somebody’. Die Dorfbewohner haben das nicht erwartet. So wurden viele motiviert, sich auch zu beteiligen, als sie sahen, dass die Deutschen physisch arbeiten. Wir fühlen uns nicht dominiert, weil wir alle Projekte vorher besprechen. Wir haben über den Kindergarten gesprochen, über die Krankenstation. Ich denke, dass ist ein guter Weg, Projekte vorzubereiten. Jeder war vertraut mit dem Projekt. Nach der Diskussion sind wir als Leader des Komitees zu unseren Leuten gegangen und haben alles mit ihnen besprochen. Auch wenn es Dinge gab, die verändert werden mussten, dann haben wir mit unseren Kollegen und den Dorfbewohnern gesprochen. Nobody was on top of the other. This is the way I felt."

Dabei müssen wir uns natürlich immer der Tatsache bewusst sein, dass wir Partner mit ungleichen Voraussetzungen sind: Wir leben unter sehr unterschiedlichen ökonomischen Bedingungen. Unser Eurozentrismus prägt unsere Haltung. Es fällt uns schwer, Armut nicht ausschließlich ökonomisch zu definieren. Auch unsere Partner haben ihre Bilder und Vorurteile und erwarten materielle Unterstützung. Wir haben jedoch im Laufe der Jahre gelernt, mit diesen Unterschieden umzugehen. Wir erarbeiten die Maßstäbe gemeinsam, an denen wir Wissen, Informationen, Erfolg und Misserfolg messen. Da wir neben den praktischen Projekten auch immer in einen Austausch über inhaltliche Fragen treten, grenzen wir Themen und Projekte so ein, dass alle in der Vorbereitung eine vergleichbare Basis aufbauen können und schaffen Voraussetzungen für die inhaltliche Vorbereitung. Alle Projekte werden gemeinsam vorbereitet, Fragestellungen im Dialog entwickelt und das Projekt wird gemeinsam durchgeführt.

Wir bleiben in ständigem Austausch. Die neuen Kommunikationsmittel helfen uns dabei. Eine SMS oder Email ist schnell geschrieben, im Chatroom kann man sich mit mehreren unterhalten, als wäre man bei einem Treffen, auch zu telefonieren ist bezahlbar geworden.