Mit Angeboten zum Globales Lernen bieten wir Kindern, Jugendlichen, Pädagog/innen und Multiplikator/innen die Möglichkeit, im Zeitalter der Globalisierung altersgerecht die weltweiten Dimensionen Stück für Stück zu begreifen, in ihnen zu leben und sie irgendwann einmal mit zu gestalten.
Bildung und Wissen sind Voraussetzungen, die globalen Veränderungen nicht nur als Risiko, sondern auch als Chance zu sehen. In der 15. Shell Jugendstudie wird zum ersten Mal repräsentativ für ganz Deutschland danach gefragt, inwieweit Jugendlichen zwischen 15 und 25 Jahren der Begriff und die Debatte um Globalisierung überhaupt bekannt sind. In der Grundtendenz haben drei Viertel der Jugendlichen schon mal von Globalisierung gehört. Jugendliche assoziieren mit Globalisierung vor allem zwei aus ihre Sicht positive Folgen: Freizügigkeit (verreisen und studieren im Ausland) und das Erleben der kulturellen Vielfalt. Für mehr als die Hälfte der Befragten folgen dann vier negative Einflüsse der Globalisierung: Zunahme der Arbeitslosigkeit, der Kriminalität, der Umweltzerstörung und der Unterentwicklung. Weder Klimawandel und Armut noch Hunger und Bürgerkrieg sind Missstände, mit denen wir uns abfinden müssen. Es gibt Möglichkeiten gegenzusteuern.
Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Lebensweise aller Erdenbewohner globale Auswirkungen hat. Mit diesen Auswirkungen beschäftigen wir uns, um gemeinsam Wege hin zu einem nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebensstil erarbeiten.
Jugendliche haben in unserer heutigen Gesellschaft bis zu ihrem 18. Lebensjahr durchschnittlich 200.000 Werbespots gesehen, Tendenz steigend. Das heißt, sie werden tagtäglich mit einer Konsum- und Wegwerfgesellschaft konfrontiert, die medial aufwändig aufbereitet ist und durch Konsum, insbesondere von Markenwaren, ein (vermeintlich) großartiges Lebensgefühl verspricht. Mit durchschnittlich 55 € monatlich, die Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 19 Jahren zur freien Verfügung haben, stellen sie auf dem Markt eine beachtliche Kaufgröße dar. Das meiste Geld davon wird für Süßigkeiten ausgegeben.
Ein natürliches Bewusstsein für Nachhaltigkeit stellt sich unter diesen Voraussetzungen nicht automatisch ein. Ganz zu schweigen davon, dass das Wissen über Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, die unsere Konsumgüter herstellen, in unserer Lebenswelt kaum in Erscheinung tritt.
Wer weiß noch, woher die Sachen kommen, die wir täglich benutzen. Es sind nicht nur die Kinder, die auf manche grundlegende Frage heute keine Antwort mehr wissen, z.B. woher die Milch kommt – aus dem Supermarkt. So manches Großstadtkind stellt sich die Kuh lila vor. Auch Erwachsene sind erstaunt, wenn sie erfahren, dass ihr Honig zum Beispiel aus Mexiko stammt, ihr Teppich von Kindersklaven geknüpft wurde, die Muttertagsblumen aus Kenia importiert wurden und ihre Gartenmöbel aus Tropenholz sind.
Die direkte Verbindung zwischen ProduzentIn und VerbraucherIn sind längst gekappt. Die direkte Konfrontation mit den Produktionsbedingungen würde jeglichen Geschmack am Konsum verderben. Durch Internetauktionen und Börsen, die in den meisten Geschäftsbereichen üblich sind, gibt es auch kaum noch direkte Verbindung zwischen den ErzeugerInnen und den HändlerInnen, so dass die Warenvielfalt wie von Zauberhand zu "traumhaft günstigen Preisen" à la "Hosen runter" und "Geiz ist geil" unter unserem Weihnachtsbaum landen.
Nachhaltige Entwicklung kann nur gestaltet werden, wenn wir hinter die Kulissen schauen und uns nicht von Werbung und Wirtschaftslobby blenden lassen, wenn wir wieder Verbindungen zwischen den Menschen in Nord und Süd aufbauen und es zu einem wirklichen Austausch kommt. Da aber nicht alle die Möglichkeit haben, nach Afrika, Lateinamerika oder Asien zu reisen, haben für uns die entwicklungspolitische Inlandsarbeit und das Globale Lernen einen sehr hohen Stellenwert.
Insbesondere durch die Einführung fächerübergreifender bzw. -verbindender Unterrichtskomplexe (ÜTK), in denen sich die Schulen interdisziplinär mit gesellschaftlich relevanten Themen, darunter auch Globalisierung, Friedenssicherung, Umwelt oder Demokratie beschäftigen sollen, sind sehr progressiv und regen tatsächlich eine ganzheitliche und komplexe Bearbeitung von wichtigen und grundlegenden Fragen unserer Zeit an. Ihr Anspruch ist jedoch sehr hoch und wird noch nicht flächendeckend umgesetzt. Oft fehlt es den Schulen an Zeit, an Materialien und an Fortbildungen, die LehrerInnen für diese Themenbereiche qualifizieren. Dabei wollen wir unterstützen.